Der Chor

Die Chordecke

Die Barockdecke des Chores stammt aus dem Jahre 1754. In ihrer Mitte befindet sich das Symbol für den dreieinigen Gott. In den Kreuzkappen sind vier Kirchenlehrer dargestellt.

Der dreieinige Gott im Zentrum

Den Mittelpunkt des barocken Gemäldes an der Chordecke bildet ein Medaillon, in dessen Zentrum ein gleichseitiges Dreieck dargestellt ist. Neben dem Kreuz ist dies die heiligste geometrische Symbolfigur. Mit ihr wird auf den dreieinigen Gott hingewiesen. Die drei großen christlichen Konfessionen bekennen übereinstimmend den Glauben an den, der aus drei Personen besteht und dabei doch ein göttliches Wesen ist: der eine Gott in der Person des Vaters und der Person des Sohnes und der Person des Heiligen Geistes.

Zwei weitere Symbole umgeben dieses Dreieck: Der Strahlenkranz versinnbildlicht die Herrlichkeit des dreieinigen Gottes, und die Kreisform des Medaillons steht für die göttlich-kosmische Harmonie.
In der Mitte des Dreiecks erscheint die Darstellung eines geöffneten Auges. Es symbolisiert die Gottheit, die sieht, was auf Erden geschieht, und die über die Seinen wacht. Entsprechend lautet die Aufschrift am oberen Rand des Medaillons: "Gott Sieht alles".

Das Bekenntnis zu dem Gott, der alles sieht, wirft freilich Fragen auf. Von außerhalb des christlichen Glaubens lautet die kritische Rückfrage: Wenn das wahr sein sollte, dass Gott alles sieht, was in dieser Welt geschieht – gerade auch das Böse –, warum greift er dann nicht ein, warum handelt er denn nicht? Und innerhalb der Gemeinschaft der Glaubenden fragt man besorgt, ob Gott denn vor allem ein Aufpasser sei.
Entscheidend ist freilich der Standpunkt, den der Mensch einnimmt, wenn er die Frage nach Gott stellt. Wer sich einfach so unter das Medaillon stellt, provoziert Missverständnisse im Gottesbild. Der Glaubende aber, der in respektvollem Abstand vor den Stufen des Chorraumes steht, nimmt das Medaillon als ein Symbol wahr, das nicht anders als hinter dem Kreuz zu verorten ist.

Auf diese Weise – aus der Perspektive des Kreuzes also – wird klar, wer in Wahrheit Gott ist: Nicht anders als in der Betrachtung des für uns gekreuzigten Christus sollen wir Gott verstehen. "Gott sieht alles": Er sieht vor allem die Not des in Sünde verlorenen und in Schuld verstrickten Menschen. Und er tut wirklich etwas dagegen. Sein Sohn ist der Retter. Die Aussage des Medaillons ist nur im Nach-Denken über die in der Geschichte Jesu offenbare Liebe Gottes angemessen zu verstehen.

Nach Westen zum Kirchenschiff hin: Johannes Chrysostomos (349 - 407)

Er war Bischof von Konstantinopel und unter den Kirchenvätern der begabteste Prediger (Chrysostomos = "Goldmund").
Als Symbol hält er ein aufgeschlagenes Buch in seiner Hand: Darin sind seine berühmten Predigten aufgezeichnet ("humilliae S. Chrystostomi").Kritik am Kaiserhaus trug ihm zuletzt die Verbannung ein."

Nach Norden: Ambrosius (339 - 397)

Er war Bischof von Mailand mit großer Bedeutung für die gesamte Kirche. Um seine Gemeinde geistlich zu stärken, führte er Hymnen in den Gottesdienst ein.
Sein Symbol ist ein Bienenkorb: nach einer Legende brachten Bienen, als er noch ein Kind war, Honig in seinen Mund wie in ihren Korb. Dieses Symbol bringt seine Beredsamkeit zum Ausdruck.

Nach Osten: Hieronymus (347 - 420)

Er verband universelle Gelehrsamkeit und strenge Askese miteinander. In verschiedenen Gegenden lebte er als Mönch (Symbole: schlichtes Kreuz und entblößter Oberkörper). Dabei erwarb er sich umfassende Sprachkenntnisse. Bedeutend waren seine Arbeiten zur Revision der lateinischen Bibel (Vulgata). Dafür steht das Symbol der aufgeschlagenen Bibel.

Nach Süden: Augustinus (354 - 430)

Er war zunächst Presbyter und dann Bischof von Hippo Regius (Nordafrika).
Er gilt als der literarisch produktivste lateinische Kirchenlehrer der Antike.
Sein ethisches Denken betonte vor allem das Moment der Liebe zu Gott und darin Gott zu. Dies wird durch das Symbol des flammenden Herzens zum Ausdruck gebracht.